Kann man im Schlaf niesen?

Du wachst morgens mit einem starken Niesreiz auf und fragst dich, ob du vielleicht im Schlaf geniest hast. Der Gedanke liegt nahe, denn viele Körperfunktionen laufen automatisch ab. Doch genau hier gibt es einen entscheidenden Unterschied. Der Niesreflex ist im Schlaf praktisch ausgeschaltet. Besonders im Tiefschlaf und im REM-Schlaf blockiert dein Gehirn diesen Schutzreflex gezielt. In diesem Artikel erfährst du umfassend und wissenschaftlich fundiert, ob man im Schlaf niesen kann, warum dein Körper diesen Reflex unterdrückt und wie Schlafphasen, Nervensystem und Sinneswahrnehmung dabei zusammenwirken.

Kann man im Schlaf niesen?
Kann man im Schlaf niesen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Tiefschlaf und REM-Schlaf ist Niesen nahezu unmöglich
  • Der Niesreflex wird vom Gehirn aktiv unterdrückt
  • Muskelhemmung (Schlafparalyse) verhindert das Auslösen
  • Reize werden im Schlaf gefiltert und abgeschwächt
  • Niesen tritt fast immer erst nach dem Aufwachen auf

Kann man im Schlaf niesen?

Nein. Während des Schlafs, insbesondere im Tief- und REM-Schlaf, wird der Niesreflex vom Gehirn unterdrückt. Niesen ist erst nach dem Aufwachen möglich.

Warum der Niesreflex im Schlaf unterdrückt wird

Der Niesreflex entsteht durch Reizungen der Nasenschleimhaut, etwa durch Staub oder Allergene. Im Wachzustand verarbeitet der Hirnstamm diese Reize sofort und löst eine koordinierte Muskelreaktion aus. Im Schlaf funktioniert dieser Mechanismus anders. Dein Gehirn schaltet gezielt Schutzreflexe ab, um den Schlaf zu stabilisieren. Besonders im REM-Schlaf tritt eine sogenannte Schlafparalyse auf.

Dabei werden nahezu alle willkürlichen Muskeln gehemmt. Auch die für das Niesen notwendigen Muskelgruppen sind davon betroffen. Zusätzlich sinkt die Empfindlichkeit der Sinneszellen in der Nase deutlich. Reize, die tagsüber stark wirken, werden nachts kaum weitergeleitet. So schützt dein Gehirn dich vor unnötigem Aufwachen.

Niesen in den verschiedenen Schlafphasen

Ob ein Niesreiz wahrgenommen wird, hängt stark von der Schlafphase ab. Während des Tiefschlafs ist die neuronale Aktivität im Hirnstamm stark reduziert. Reflexe sind nahezu vollständig blockiert. Im REM-Schlaf ist das Gehirn zwar aktiv, doch die Muskelhemmung bleibt bestehen.

Deshalb kann auch hier kein Niesen ausgelöst werden. Anders sieht es in der Einschlafphase aus. In diesem Übergangszustand reagiert der Körper noch empfindlicher auf Reize. Ein starker Stimulus kann dich kurz aufwecken. Erst dann wird der Niesreflex aktiviert.

Schlafphase Möglichkeit zu niesen Muskelaktivität
Einschlafphase gering teilweise aktiv
Tiefschlaf nahezu unmöglich stark reduziert
REM-Schlaf sehr gering gelähmt
Aufwachphase möglich zunehmend aktiv

Unterschiede zwischen Schlaf- und Wachzustand

Im Wachzustand reagiert dein Körper sofort auf Reize in der Nase. Mehrere Muskelgruppen arbeiten dabei synchron zusammen. Das schützt deine Atemwege effektiv. Im Schlaf verschiebt dein Gehirn jedoch Prioritäten. Atmung und Herzschlag haben Vorrang. Schutzreflexe wie Niesen oder Husten werden gehemmt.

Lesen Sie auch:  Pupsen im Schlaf vermeiden - Tipps gegen nächtliche Blähungen

Der Hirnstamm bleibt zwar aktiv, verarbeitet Reize aber gedämpft. Deshalb niesen viele Menschen unmittelbar nach dem Aufwachen. Die zuvor blockierten Signale werden dann erst bewusst wahrgenommen. Dein Körper holt den unterdrückten Reflex nach.

Wie der Niesreflex im Körper funktioniert

Der Niesreflex ist ein hochkomplexer Schutzmechanismus. Er beginnt in der Nasenschleimhaut. Dort registrieren feine Nervenendigungen Reizstoffe wie Pollen oder Krankheitserreger. Diese Signale werden über den Nervus trigeminus an den Hirnstamm weitergeleitet. Dort entsteht ein Reflexbogen.

Dieser aktiviert mehrere Muskeln gleichzeitig. Zuerst atmest du tief ein. Dann schließen sich kurzzeitig die Stimmbänder. Anschließend wird Luft explosionsartig ausgestoßen. So werden Schleim und Fremdstoffe entfernt. Der gesamte Vorgang dauert nur Sekunden.

Struktur Funktion
Nervus trigeminus Weiterleitung des Reizes
Zwerchfell Aufbau des Drucks
Kehlkopfmuskeln Kontrolle des Luftausstoßes
Gesichtsmuskeln Augen schließen, Nasenbewegung

Ursachen für nächtlichen Niesreiz trotz Schlaf

Auch wenn du im Schlaf nicht niesen kannst, entstehen nachts viele Reize. Allergene wie Hausstaubmilben, Pollen oder Tierhaare belasten die Schleimhäute. Erkältungen führen zu Schleimstau und Schwellungen. Staub, Schimmel oder trockene Luft reizen zusätzlich.

Diese Faktoren wirken während des Schlafs weiter. Der eigentliche Niesreflex wird jedoch blockiert. Erst beim Erwachen reagiert dein Körper darauf. Deshalb tritt der Niesreiz häufig morgens auf. Auch helles Licht kann dann einen photischen Niesreflex auslösen.

Reizstoff Hauptquelle Mögliche Wirkung
Staub Matratzen, Teppiche Schleimhautreizung
Pollen Außenluft, Kleidung Saisonale Beschwerden
Tierhaare Haustiere Allergische Reaktion
Schimmel Feuchte Wände Chronische Reizung

Was hilft bei nächtlichem Niesreiz?

Eine saubere Schlafumgebung ist entscheidend. Reduziere Staub, Tierhaare und Pollen im Schlafzimmer. Lüfte regelmäßig und achte auf eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Wasche Bettwäsche wöchentlich bei mindestens 60 Grad. Allergiker profitieren von milbendichten Bezügen.

Nasenspülungen mit Kochsalzlösung reinigen die Schleimhäute. Vermeide Rauch, Parfüm und aggressive Reinigungsmittel. Wenn Beschwerden anhalten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Chronische Rhinitis oder Allergien lassen sich gezielt behandeln und verbessern die Schlafqualität deutlich.

Der biologische Schutzschild: Warum die REM-Atonie das Niesen verhindert

Dass die Frage, kann man im Schlaf niesen, fast immer mit „Nein“ beantwortet wird, liegt an einem faszinierenden Schutzmechanismus unseres Körpers: der REM-Atonie. Während der Traumphasen (REM-Schlaf) schaltet das Gehirn die bewusste Kontrolle über die Skelettmuskulatur nahezu vollständig ab, um zu verhindern, dass wir geträumte Bewegungen physisch ausführen.

Lesen Sie auch:  4-Monats-Schlafregression verstehen

Da das Niesen ein hochkomplexer Vorgang ist, der die koordinierte Zusammenarbeit zahlreicher Muskelgruppen im Brustkorb, Zwerchfell und Gesicht erfordert, ist dieser Reflex im Tiefschlaf schlichtweg deaktiviert. Selbst wenn die Nasenschleimhäute gereizt werden, erreichen die Signale nicht das motorische Zentrum, das den Niesreiz auslösen würde. Erst wenn der Reiz so stark ist, dass der Körper in eine leichtere Schlafphase wechselt oder ganz erwacht, kann die Muskulatur wieder reagieren und das typische Niesgeräusch erzeugen.

Niesen beim Aufwachen: Die Grenze zwischen Schlaf und Wachzustand

Häufig berichten Menschen, sie seien durch ein Niesen wach geworden, was die Vermutung nahelegt, man könne im Schlaf niesen. Wissenschaftlich betrachtet findet das Niesen jedoch in der sogenannten Arousal-Phase statt – einem ultrakurzen Moment des Erwachens. Wenn Allergene wie Pollen oder Hausstaub die Nervenenden in der Nase stimulieren, sendet das Gehirn ein Alarmsignal, das den Schlaf unterbricht.

Sobald die temporäre Muskellähmung des Schlafs aufgehoben ist, wird der Reflex unmittelbar ausgeführt. Man wacht also nicht durch das Niesen auf, sondern man wacht auf, um zu niesen. Dieser Prozess läuft so schnell ab, dass es sich für den Betroffenen anfühlt, als wäre das Niesen direkt aus dem Traum heraus geschehen.

Optimierung der Schlafumgebung gegen nächtlichen Niesreiz

Um die Schlafqualität zu verbessern und lästige Unterbrechungen durch Niesattacken zu vermeiden, ist eine allergenarme Schlafumgebung entscheidend. Oft sind Hausstaubmilben in der Matratze oder trockene Heizungsluft die Verursacher für gereizte Schleimhäute in der Nacht. Da man im Tiefschlaf zwar nicht niesen kann, die Reizung aber zu Mikro-Erwachmomenten führt, leidet die Erholung massiv.

Experten empfehlen daher den Einsatz von Encasings für Allergiker und eine konstante Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent im Schlafzimmer. Wer konsequent auf eine saubere Umgebung achtet, reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass das Gehirn den Schlafmodus verlassen muss, um einen Niesreflex einzuleiten, und fördert so einen ungestörten Regenerationsprozess des Körpers.

Fazit

Im Schlaf niesen ist nicht möglich. Dein Gehirn schützt deinen Schlaf, indem es den Niesreflex gezielt blockiert. Erst beim Aufwachen werden angesammelte Reize verarbeitet. Wer morgens häufig niesen muss, sollte auf Allergene und die Schlafumgebung achten. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich der nächtliche Niesreiz deutlich reduzieren und der Schlaf nachhaltig verbessern.


FAQ:

Kann man im Tiefschlaf wirklich nicht niesen?

Nein, im tiefen Schlaf sind die verantwortlichen Reflexe und Muskelgruppen durch das Gehirn deaktiviert. Erst wenn man in einen sehr leichten Schlafzustand übergeht oder erwacht, kann ein Nieser ausgelöst werden.

Lesen Sie auch:  Meditieren zum Einschlafen - So geht's richtig

Warum niesen manche Menschen direkt nach dem Aufwachen?

Dies liegt meist an den Reizen, die sich während der Nacht auf den Schleimhäuten angesammelt haben, ohne einen Reflex auszulösen. Sobald das Nervensystem beim Erwachen hochfährt, wird der angestaute Niesreiz unmittelbar verarbeitet.

Verhindert das Gehirn das Niesen aktiv?

Ja, während der REM-Phase tritt eine sogenannte Muskelatonie ein, die fast alle willkürlichen Muskeln lähmt. Da Niesen eine koordinierte Muskelaktion erfordert, unterbindet dieser Zustand den Reflex physikalisch.

Können Tiere im Schlaf niesen?

Für die meisten Säugetiere gilt das gleiche Prinzip wie beim Menschen, da sie ähnliche Schlafphasen durchlaufen. Auch bei Hunden oder Katzen ist das Niesen im echten Tiefschlaf aufgrund der Muskelentspannung nicht möglich.

Was passiert, wenn die Nase im Schlaf extrem gereizt wird?

Wenn der Reiz eine kritische Schwelle überschreitet, sendet das Gehirn ein Signal zum Aufwachen. Erst wenn das Bewusstsein und die Muskelkontrolle zurückkehren, erfolgt das Niesen zur Reinigung der Atemwege.

Können Allergien den Schlaf durch Niesreiz stören?

Ja, Allergene führen zwar nicht zum Niesen im Schlaf, sorgen aber für ständige Mikro-Weckreaktionen (Arousals). Dadurch wird die Schlafstruktur instabil und man fühlt sich am nächsten Morgen gerädert.

Ist das Ausbleiben des Niesreflexes im Schlaf gefährlich?

Nein, es ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der verhindert, dass wir uns durch ruckartige Bewegungen im Schlaf verletzen. Die Atemwege werden durch andere Mechanismen oder kurzes Erwachen ausreichend geschützt.

Hilft ein Luftbefeuchter gegen Niesen in der Nacht?

Ein Luftbefeuchter kann helfen, die Nasenschleimhäute feucht zu halten und Reizungen durch zu trockene Luft zu minimieren. Dies senkt die Wahrscheinlichkeit, dass man aufgrund eines Reizes aufwacht und niesen muss.

Warum träumt man manchmal, dass man niest?

Träume verarbeiten oft äußere Reize, die das Gehirn zwar registriert, aber noch nicht zum Aufwachen führen. Der physische Niesreiz wird dann als Traumbild eingebaut, bevor man eventuell tatsächlich wach wird.

Gibt es Ausnahmen, bei denen man doch im Schlaf niest?

Es gibt keine wissenschaftlich belegten Fälle von Niesen im echten Tiefschlaf oder REM-Schlaf bei gesunden Menschen. Alle beobachteten Fälle passierten in Übergangsphasen zum Wachzustand oder während Schlafstörungen.

Bewerten Sie den Artikel jetzt!
[Total: 1 Average: 5]

Zeige mehr
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"