Promethazin

Rezeptpflichtig?JA
WirkstoffPromethazin
Zulasssungsinhaberneuraxpharm Arzneimittel GmbH & Co. KG
AnwendungNeuroleptika, Antipsychotika

Promethazin – Ein Wirkstoff aus der Gruppe der Phenothiazine. Angewandt als Antipsychotikum und Neuroleptikum. Doch Moment! Was hat das eigentlich mit einem Schlafmittel zu tun? Eine ganze Menge sogar, denn auch wenn wir uns theoretisch ein Mittel zur Behandlung von psychischen Störungen ansehen, so kann es viel mehr. Sogar so viel, das es vorrangig für beruhigende und antiallergische Zwecke seinen Einsatz findet.

Wie wirkt Promethazin?

Bei der Verwendung von Promethazin als Antipsychotikum, wirkt sich der Wirkstoff auf das zentrale Nervensystem aus. In dem Nervensystem blockiert Promethazin die Rezeptoren (Andockstellen für Neurotransmitter) für Dopamin. Dopamin ist ein Botenstoff der Nervenzellen – ein Neurotransmitter. Kann sich dieser Botenstoff nicht an seine Rezeptoren binden, so entsteht auch keine Reaktion; folglich keine Wirkung.

So unterbindet man ein Übermaß an einer Dopamin-Konzentration, welche zum Realitätsverlust führt. Psychosen und Schizophrenie resultieren aus dieser Überkonzentration. Mit Promethazin wirkt man diesem Verlust des Realitätssinns entgegen. Allerdings befindet sich der Wirkstoff kaum noch in diesem Aufgabenbereich. Es wirkt nur schwach antipsychotisch. Gerade im Vergleich mit dem Ursprungsstoff Chlorpromazin, erreicht Promethazin nur 50 % der Wirkungskraft.

Viel wichtiger, und für uns auch wesentlich interessanter, ist die Wirkung von Promethazin auf Histamine. Auch bei Histaminen handelt es sich um einen Botenstoff. Besonders bei allergischen Reaktionen spielt er eine wichtige Rolle. Nun kann der Neurotransmitter Histamin auf von dem Wirkstoff geblockt werden. Folglich gibt es keine Reizleitung im Gehirn, und die Allergie ist unterdrückt.

Ein wichtiger Nebeneffekt dieser Antihistamin-Wirkung: Sie beruhigt und wirkt schlaffördernd. Die Konzentration an Histaminen bestimmt nämlich auch unseren „Wachheitsgrad“. Je mehr geblockt, desto schneller sind wir müde und können durchschlafen.

Die Einsatz- und Anwendungsgebiete des Wirkstoffes

Wie Sie sicherlich aus der Promethazin Wirkung herauslesen konnten, ist der Wirkstoff sehr vielseitig. Und so vielseitig ist auch, teilweise, sein Einsatz- und Anwendungsgebiet. Angefangen im Rahmen von psychiatrischen Behandlungen. An diesem Punkt nur begrenzt. Auf Grund der schwachen Wirksamkeit, kommt es nur bei Unruhen und Erregungszuständen zum Einsatz.

Unterstützung erhalten Patienten im Bereich von akuten Allergien und allergischen Reaktionen. Sehr beliebt bei einer Kombination zur Bekämpfung von Insomnia.

Es bietet sich auch als Alternative für Unverträglichkeiten an. Einige Patienten, welche an Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen leiden, vertragen nicht immer die Medikamente. Promethazin ist eine gut verträgliche und wirksame Alternative um akuten Übelkeit zu beseitigen. Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen gehören auch der Vergangheit an. Ein zuverlässiges Schlafmittel.

Die Anwendung von Promethazin

Promethazin kommt nicht nur, wie es bei vielen Medikamenten üblich ist, in Tablettenform daher. Auch Tropfen, oder eine Injektionslösung sind möglich. Tabletten sind aber eben die geläufigsten Mittel.

Beide häuslichen Varianten, also Tropfen und Tabletten, nehmen Sie mit einem Glas Wasser ein. Da erfolgt am besten am Abend, kurz vor dem zu Bett gehen.

Am Anfang der Behandlung fängt man mit geringen Dosierungen an, und gewöhnt den Körper über Zeit an das Mittel. Die Dosis erhöht sich schleichend. In den meisten Fällen kommen einige Milligramm mit jeder Woche dazu. So beginnt die Behandlung mit etwa 25 mg und wir dann stetig auf 100 mg erhöht. In einigen schwereren Fällen kann die Dosis auch auf 200 mg pro Tag angehoben werden. Dieser Zustand darf aber nicht lange gehalten werden.

Promethazin Nebenwirkungen

In der ersten Woche der Einnahme von Promethazin können einige Nebenwirkungen auftreten. Diese sind aber größtenteils harmlos, und sollten nach kurzer Zeit verschwinden. Halten diese Symptome länger an, dann kontaktieren Sie umgehend Ihren Arzt. Dieser berät dann, ob sich ein Fortfahren der Behandlung lohnt, oder eingestellt wird. Zu den einfachen Symptomen zählen sich Mundtrockenheit und eine anhaltende Schläfrigkeit.

Einige Patienten kann es aber auch härter treffen. So sind auch andere Promethazin Nebenwirkungen möglich, welche wesentlich seltener vorkommen. Dazu zählen:

  • Allergische Reaktionen auf das Medikament
  • Ausschlag
  • Veränderungen des Blutbilds+
  • Verstärktes Durstgefühl
  • Erhöhtes Risiko auf Leberentzündung
  • Erhöhter Augeninnendruck
  • Gewichtszunahme
  • Störungen des Gleichgewichtssinnes
  • Harnverhalt
  • Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen
  • Juckreiz und Kribbeln unter der Haut
  • Spontane Verkrampfungen
  • Parkinson-ähnliche Symptome
  • Trockenheit der Schleimhäute
  • Sexuelle Störungen
  • Schwindel
  • Aufstauen der Gallenflüssigkeit
  • Erhöhen der Körpertemperatur
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Beschränkte Sicht – verschwommenes Sehen
  • Verstopfung

In sehr seltenen Fällen, also bei einem von 10000 Patienten können auch Symptome eines Neuroleptika-Erkrankten auftreten. Zu rechnen ist mit Versteifung der Muskeln, Paralyse, Blickkrämpfe, starkes Schwitzen aufgrund erhöhter Temperatur, Herzrasen, Bewusstseinsverluste bis hin zu Koma. Auch bringen Laborbefunde Aufschluss. So ist die Enzymkonzentration und die Konzentration von weißen Blutkörperchen stark erhöht.

Promethazin Wechselwirkung mit anderen Stoffen

Die Einnahme von Promethazin ist nicht immer ganz ungefährlich, denn wer bedenkenlos die Medikamente mischt, kann schnell Probleme bekommen. Achten Sie deshalb genau darauf, welche Tabletten Sie einnehmen, denn „verwandte“ Mittel können schweren Schaden anrichten.

Nehmen Sie weitere andere Antidepressiva, wie beispielsweise Duloxetin, Tranylcypromin oder Moclobemid? Oder gibt es auch noch Parkinsonmittel, wie Selegilin? Diese Medikamente hemmen die notwendigen Enzyme, um Promethazin abzubauen. So kommt es bei einer Dosierung zu erhöhten Blutspiegeln, welcher die Wirkung und auch die Nebenwirkungen von Promethazin verstärkt.

Besonders die Herzrhythmusstörungen betreffend, verstärkt sich die Störung, wenn Promethazin mit Wirkstoffen, wie Cisaprid, Ciprofloxacin, Suplirid oder Octreotid in Verbindung kommt. Cisaprid ist ein Mittel gegen Magen-Darm-Verstimmungen und wird ziemlich verbreitet eingesetzt. Cirpofloxacin ist ein einfaches Antibiotikum und Sulpirid zählt sich noch zu den Antipsychotikas. Octreotid ist eher eine Ausnahme, da es bei Tumoren und Wachstumsstörungen zum Einsatz kommt.

In den Nebenwirkungen von Promethazin kommt es auch zu Weiterleitungsstörungen des Herzens. Hier spricht man auch von QT-Zeit-Verlängerungen. Nicht nur Promethazin kann diesen Effekt haben. Auch andere Antibiotika, Antidepressiva, Anti-Allergene/Anithistaminika und Malaria Mittel verursachen solch eine Verlängerung. Kombinieren sich die Medikamente, dann führt das zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen.

Warnhinweise für die Patienten

Nehmen Sie das Medikament Promethazin nie in Verbindung mit Alkohol zu sich. Die Effekte, also die Nebenwirkungen, können sich dramatisch steigern und einen bedrohlichen Status erreichen.

Ältere Patienten und auch jüngere, können durchaus mit dem Medikament behandelt werden. Es benötigt aber eine reduziertere Dosis. Die Dosis sollte mit dem Arzt abgesprochen sein, und kontrolliert werden.

Promethazin
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Lili Nuß

Lili Nuß ist Geprüfte Industriemeisterin IHK - Fachrichtung Pharmazie und Chemielaborantin, Fachbereich Analytik. In ihrer langjährigen beruflichen Praxis bei Warner Lambert und Pfizer in Freiburg, war sie unter anderem für die Qualitätskontrolle der Wirkstoffe und Hilfsstoffe zuständig. Lili Nuß ist unsere Fachfrau für Pharmazie, Chemie, Analytik und Medikamentenkunde.

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