Promethazin
Promethazin gehört zur Wirkstoffgruppe der Phenothiazine und wirkt auf das zentrale Nervensystem. Es wurde ursprünglich als Antipsychotikum entwickelt, findet heute jedoch hauptsächlich Anwendung als Beruhigungs- und Schlafmittel sowie zur Behandlung von Allergien. Durch seine antihistaminerge Wirkung hemmt es die Ausschüttung von Histamin – einem Botenstoff, der für allergische Reaktionen und den Wachheitszustand mitverantwortlich ist. Die Folge: weniger Allergiesymptome und eine deutlich bessere Schlafqualität. Doch die Anwendung ist nicht risikofrei. Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Dosierung müssen individuell abgestimmt werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Vielfältige Wirkung: Beruhigend, schlaffördernd, antiallergisch und schwach antipsychotisch.
- Wirkmechanismus: Blockade von Dopamin- und Histaminrezeptoren im Gehirn.
- Hauptanwendungsgebiete: Allergien, Schlafstörungen, Unruhezustände und Übelkeit.
- Formen & Dosierung: Tabletten, Tropfen oder Injektion – meist 25–100 mg täglich.
- Achtung bei Wechselwirkungen: Verstärkte Nebenwirkungen bei Kombination mit bestimmten Antidepressiva, Antibiotika oder Alkohol.
Wofür wird Promethazin eingesetzt?
Promethazin wird zur Behandlung von Schlafstörungen, Allergien, Übelkeit sowie bei innerer Unruhe eingesetzt. Der Wirkstoff wirkt beruhigend und schlaffördernd, indem er Histaminrezeptoren im Gehirn blockiert. Auch bei allergischen Reaktionen und leichter Übelkeit kommt er zum Einsatz. Aufgrund seiner vergleichsweise schwachen antipsychotischen Wirkung wird Promethazin heute nur noch selten in der Psychiatrie eingesetzt.
Rezeptpflichtig? | JA |
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Wirkstoff | Promethazin |
Zulasssungsinhaber | neuraxpharm Arzneimittel GmbH & Co. KG |
Anwendung | Neuroleptika, Antipsychotika |
Promethazin – Ein Wirkstoff aus der Gruppe der Phenothiazine. Angewandt als Antipsychotikum und Neuroleptikum. Doch Moment! Was hat das eigentlich mit einem Schlafmittel zu tun? Eine ganze Menge sogar, denn auch wenn wir uns theoretisch ein Mittel zur Behandlung von psychischen Störungen ansehen, so kann es viel mehr. Sogar so viel, das es vorrangig für beruhigende und antiallergische Zwecke seinen Einsatz findet.
Wie wirkt Promethazin?
Bei der Verwendung von Promethazin als Antipsychotikum, wirkt sich der Wirkstoff auf das zentrale Nervensystem aus. In dem Nervensystem blockiert Promethazin die Rezeptoren (Andockstellen für Neurotransmitter) für Dopamin. Dopamin ist ein Botenstoff der Nervenzellen – ein Neurotransmitter. Kann sich dieser Botenstoff nicht an seine Rezeptoren binden, so entsteht auch keine Reaktion; folglich keine Wirkung.
So unterbindet man ein Übermaß an einer Dopamin-Konzentration, welche zum Realitätsverlust führt. Psychosen und Schizophrenie resultieren aus dieser Überkonzentration. Mit Promethazin wirkt man diesem Verlust des Realitätssinns entgegen. Allerdings befindet sich der Wirkstoff kaum noch in diesem Aufgabenbereich. Es wirkt nur schwach antipsychotisch. Gerade im Vergleich mit dem Ursprungsstoff Chlorpromazin, erreicht Promethazin nur 50 % der Wirkungskraft.
Viel wichtiger, und für uns auch wesentlich interessanter, ist die Wirkung von Promethazin auf Histamine. Auch bei Histaminen handelt es sich um einen Botenstoff. Besonders bei allergischen Reaktionen spielt er eine wichtige Rolle. Nun kann der Neurotransmitter Histamin auf von dem Wirkstoff geblockt werden. Folglich gibt es keine Reizleitung im Gehirn, und die Allergie ist unterdrückt.
Ein wichtiger Nebeneffekt dieser Antihistamin-Wirkung: Sie beruhigt und wirkt schlaffördernd. Die Konzentration an Histaminen bestimmt nämlich auch unseren „Wachheitsgrad“. Je mehr geblockt, desto schneller sind wir müde und können durchschlafen.
Die Einsatz- und Anwendungsgebiete des Wirkstoffes
Wie Sie sicherlich aus der Promethazin Wirkung herauslesen konnten, ist der Wirkstoff sehr vielseitig. Und so vielseitig ist auch, teilweise, sein Einsatz- und Anwendungsgebiet. Angefangen im Rahmen von psychiatrischen Behandlungen. An diesem Punkt nur begrenzt. Auf Grund der schwachen Wirksamkeit, kommt es nur bei Unruhen und Erregungszuständen zum Einsatz.
Unterstützung erhalten Patienten im Bereich von akuten Allergien und allergischen Reaktionen. Sehr beliebt bei einer Kombination zur Bekämpfung von Insomnia.
Es bietet sich auch als Alternative für Unverträglichkeiten an. Einige Patienten, welche an Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen leiden, vertragen nicht immer die Medikamente. Promethazin ist eine gut verträgliche und wirksame Alternative um akuten Übelkeit zu beseitigen. Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen gehören auch der Vergangheit an. Ein zuverlässiges Schlafmittel.
Die Anwendung von Promethazin
Promethazin kommt nicht nur, wie es bei vielen Medikamenten üblich ist, in Tablettenform daher. Auch Tropfen, oder eine Injektionslösung sind möglich. Tabletten sind aber eben die geläufigsten Mittel.
Beide häuslichen Varianten, also Tropfen und Tabletten, nehmen Sie mit einem Glas Wasser ein. Da erfolgt am besten am Abend, kurz vor dem zu Bett gehen.
Am Anfang der Behandlung fängt man mit geringen Dosierungen an, und gewöhnt den Körper über Zeit an das Mittel. Die Dosis erhöht sich schleichend. In den meisten Fällen kommen einige Milligramm mit jeder Woche dazu. So beginnt die Behandlung mit etwa 25 mg und wir dann stetig auf 100 mg erhöht. In einigen schwereren Fällen kann die Dosis auch auf 200 mg pro Tag angehoben werden. Dieser Zustand darf aber nicht lange gehalten werden.
Promethazin Nebenwirkungen
In der ersten Woche der Einnahme von Promethazin können einige Nebenwirkungen auftreten. Diese sind aber größtenteils harmlos, und sollten nach kurzer Zeit verschwinden. Halten diese Symptome länger an, dann kontaktieren Sie umgehend Ihren Arzt. Dieser berät dann, ob sich ein Fortfahren der Behandlung lohnt, oder eingestellt wird. Zu den einfachen Symptomen zählen sich Mundtrockenheit und eine anhaltende Schläfrigkeit.
Einige Patienten kann es aber auch härter treffen. So sind auch andere Promethazin Nebenwirkungen möglich, welche wesentlich seltener vorkommen. Dazu zählen:
- Allergische Reaktionen auf das Medikament
- Ausschlag
- Veränderungen des Blutbilds+
- Verstärktes Durstgefühl
- Erhöhtes Risiko auf Leberentzündung
- Erhöhter Augeninnendruck
- Gewichtszunahme
- Störungen des Gleichgewichtssinnes
- Harnverhalt
- Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen
- Juckreiz und Kribbeln unter der Haut
- Spontane Verkrampfungen
- Parkinson-ähnliche Symptome
- Trockenheit der Schleimhäute
- Sexuelle Störungen
- Schwindel
- Aufstauen der Gallenflüssigkeit
- Erhöhen der Körpertemperatur
- Vermehrtes Schwitzen
- Beschränkte Sicht – verschwommenes Sehen
- Verstopfung
In sehr seltenen Fällen, also bei einem von 10000 Patienten können auch Symptome eines Neuroleptika-Erkrankten auftreten. Zu rechnen ist mit Versteifung der Muskeln, Paralyse, Blickkrämpfe, starkes Schwitzen aufgrund erhöhter Temperatur, Herzrasen, Bewusstseinsverluste bis hin zu Koma. Auch bringen Laborbefunde Aufschluss. So ist die Enzymkonzentration und die Konzentration von weißen Blutkörperchen stark erhöht.
Promethazin Wechselwirkung mit anderen Stoffen
Die Einnahme von Promethazin ist nicht immer ganz ungefährlich, denn wer bedenkenlos die Medikamente mischt, kann schnell Probleme bekommen. Achten Sie deshalb genau darauf, welche Tabletten Sie einnehmen, denn „verwandte“ Mittel können schweren Schaden anrichten.
Nehmen Sie weitere andere Antidepressiva, wie beispielsweise Duloxetin, Tranylcypromin oder Moclobemid? Oder gibt es auch noch Parkinsonmittel, wie Selegilin? Diese Medikamente hemmen die notwendigen Enzyme, um Promethazin abzubauen. So kommt es bei einer Dosierung zu erhöhten Blutspiegeln, welcher die Wirkung und auch die Nebenwirkungen von Promethazin verstärkt.
Besonders die Herzrhythmusstörungen betreffend, verstärkt sich die Störung, wenn Promethazin mit Wirkstoffen, wie Cisaprid, Ciprofloxacin, Suplirid oder Octreotid in Verbindung kommt. Cisaprid ist ein Mittel gegen Magen-Darm-Verstimmungen und wird ziemlich verbreitet eingesetzt. Cirpofloxacin ist ein einfaches Antibiotikum und Sulpirid zählt sich noch zu den Antipsychotikas. Octreotid ist eher eine Ausnahme, da es bei Tumoren und Wachstumsstörungen zum Einsatz kommt.
In den Nebenwirkungen von Promethazin kommt es auch zu Weiterleitungsstörungen des Herzens. Hier spricht man auch von QT-Zeit-Verlängerungen. Nicht nur Promethazin kann diesen Effekt haben. Auch andere Antibiotika, Antidepressiva, Anti-Allergene/Anithistaminika und Malaria Mittel verursachen solch eine Verlängerung. Kombinieren sich die Medikamente, dann führt das zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen.
Wann ist Promethazin sinnvoll – und wann nicht?
Promethazin kann in bestimmten Fällen eine sinnvolle Option sein – etwa bei Patienten, die an ausgeprägten Einschlafstörungen oder allergisch bedingten Beschwerden leiden. Besonders bei gleichzeitiger innerer Unruhe kann die sedierende Wirkung helfen, zur Ruhe zu kommen. Dennoch ist der Einsatz nicht immer ratsam. Menschen mit schweren Depressionen, Lebererkrankungen oder Herzerkrankungen sollten vor der Einnahme ärztlich genau untersucht werden.
Auch bei älteren Menschen kann das Risiko für Stürze durch Schläfrigkeit erhöht sein. Zudem sollte Promethazin nicht dauerhaft als Schlafmittel verwendet werden, da es keine Ursachenbehandlung darstellt. Der Einsatz ist symptomatisch – für kurzzeitige Phasen kann das sinnvoll sein. Langfristig sollten jedoch Ursachen wie Stress, Angst oder Schlafhygiene analysiert und behandelt werden.
Alternativen zu Promethazin bei Schlafproblemen
Wer unter leichten Einschlafproblemen leidet, muss nicht sofort zu einem verschreibungspflichtigen Antihistaminikum greifen. Pflanzliche Alternativen wie Baldrian, Passionsblume oder Melatoninpräparate gelten als besser verträglich und bergen ein geringeres Nebenwirkungsrisiko.
Auch Entspannungstechniken wie autogenes Training, Meditation oder progressive Muskelrelaxation können helfen, zur Ruhe zu kommen. In manchen Fällen genügt bereits eine Verbesserung der Schlafhygiene – z. B. durch regelmäßige Schlafzeiten, das Vermeiden von Bildschirmen vor dem Schlafengehen und den Verzicht auf Koffein am Abend. Sollte dennoch ein Medikament notwendig sein, können auch niedrig dosierte Antihistaminika wie Diphenhydramin infrage kommen. Hierbei sollte stets eine ärztliche Abwägung erfolgen.
Wichtige Hinweise zur sicheren Anwendung
Die Einnahme von Promethazin sollte immer unter ärztlicher Anleitung erfolgen – auch wenn es gelegentlich ohne Rezept erhältlich ist. Vor der ersten Anwendung ist ein ausführliches Gespräch über bestehende Vorerkrankungen, Allergien und die Einnahme anderer Medikamente wichtig.
Bei Auftreten von Nebenwirkungen wie starker Müdigkeit, Herzrasen oder Hautreaktionen sollte die Behandlung sofort unterbrochen und ein Arzt kontaktiert werden. Auch darf Promethazin keinesfalls mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln kombiniert werden. Schwangere und stillende Frauen sollten Promethazin nur auf ärztliche Verordnung und unter strenger Risikoabwägung einnehmen. Wichtig ist außerdem die regelmäßige Kontrolle bei längerer Anwendung – insbesondere des Blutbilds und der Leberwerte.