Welche Schlafmittel helfen wirklich?
Welche Schlafmittel Präparate gibt es heute auf dem Markt und wie wirken diese?
Bei Schlafstörungen stehen heute viele Mittel zur Verfügung – von pflanzlichen Präparaten bis hin zu verschreibungspflichtigen Medikamenten. Während Barbiturate kaum noch eingesetzt werden, zählen Benzodiazepine, Antidepressiva und Neuroleptika zu den häufigsten Wirkstoffen. Die Wahl eines geeigneten Schlafmittels hängt von individuellen Faktoren wie Alter, Ursache der Schlafstörung und Begleiterkrankungen ab. Ein Überblick hilft, die Unterschiede besser zu verstehen.

Das Wichtigste in Kürze zu verschiedenen Schlafmitteln
- Vielfalt an Mitteln: Neben klassischen Arzneien wie Benzodiazepinen existieren pflanzliche Präparate und neuere Wirkstoffe wie Melatonin.
- Individuelle Auswahl: Alter, Ursache und Dauer der Schlafprobleme beeinflussen die Mittelwahl.
- Neuroleptika bei Älteren: Wegen ihres geringen Abhängigkeitsrisikos und schwacher Herz-Kreislauf-Wirkung oft bevorzugt.
- Benzodiazepine: Effektiv, aber mit hohem Risiko für Abhängigkeit und Gewöhnung.
- Pflanzliche Optionen: Besonders bei leichten Störungen gut verträglich und nahezu nebenwirkungsfrei.
Welche Schlafmittel werden heute am häufigsten verschrieben?
Am häufigsten verschrieben werden heute Benzodiazepine, Antidepressiva und schwach potenzierte Neuroleptika. Während Benzodiazepine schnell wirken, aber ein Abhängigkeitsrisiko bergen, zeigen Antidepressiva und Neuroleptika eine beruhigende Wirkung mit weniger Suchtgefahr. Pflanzliche Mittel und neuere Substanzen wie Melatonin kommen oft bei leichten oder nicht-chronischen Schlafstörungen zum Einsatz.
Folgende spielen hier eine Rolle:
- Alter des Anwenders
- Schlafstörung Ursache
- Symptomatik
- Dauer, sowie bisherige Behandlung der Schlafprobleme
- Andere Erkrankungen, die bestimmte Arzneien gegen Schlafstörungen nicht erlauben
Wie heißen die Schlafmittel, die es heute im Handel gibt?
- Neuroleptika
- Benzodiazepine
- Clomethiazol
- Antidepressiva
- Chloralhydrat
- Antihistaminika
- Pflanzliche Mittel
- Sonstige Wirkstoffe, wie Melatonin, Serotonin, L-Tryptophan
- Barbiturate, sowie andere veraltete Wirksubstanzen
Worum handelt
es sich bei Neuroleptika?
In erster Linie werden Neuroleptika dazu verwendet, um schwere Psychosen zu behandeln. So zeigen diese Mittel eine sogenannte antipsychotische Wirkungsweise, ohne dass das Bewusstsein, sowie die intellektuellen Fähigkeiten des Anwenders allzu stark beeinträchtigt werden. So lassen durch Neuroleptika die Erregungszustände, Trugwahrnehmungen, Ängste, wahnhafte Gedanken und die gefühlsmäßigen Spannungen nach.
Zudem erkennt der Anwender durch die Einnahme dieser Medikamente, dass seine Psychose tatsächlich krankhaft ist. Langzeittherapien mit Neuroleptika beugen außerdem Wiedererkrankungen vor. Hinzu kommt, dass diese Arzneimittel eine dämpfende, wie sedierende beruhigende Wirkung zeigen, so dass Neuroleptika auch bei Schlafstörungen eingesetzt werden können.
In erster Linie werden bei Schlafstörungen meist sogenannte niedrig-potente, sowie schwache Neuroleptika eingesetzt. Im Vergleich zu Benzodiazepinen besitzen Neuroleptika zudem ein geringeres Abhängigkeitsrisiko und auch Gewohnheitseffekte kommen in der Regel nicht vor.
Patienten, die keine Antidepressiva oder Benzodiazepine einnehmen dürfen, werden oftmals Neuroleptika verschrieben, wenn Schlafstörungen vorliegen. Hinzu kommt, dass auch ältere Menschen diese Präparate einnehmen können, denn die Nebenwirkungen, welche das Herz-Kreislaufsystem beeinträchtigen können, sind hier geringer. Des Weiteren vermindern Neuroleptika nicht die REM-Phase im Schlaf.
Was sind Benzodiazepine?
Benzodiazepine bzw. die neuen Nichtbenzodiazepine gelten als Schlafmittel Nummer Eins und werden seit 1960 gegen Schlafprobleme eingesetzt. So wirken Benzodiazepine hemmend und verstärken die Wirkung von Gamma-Amino-Buttersäure und zeigen somit gleich verschiedene Wirkungskräfte. Demnach zeigen diese Mittel eine beruhigende, dämpfende, wie müde-machende Wirkungskraft. Gleichzeitig lösen Benzodiazepine Ängste, wirken Muskel entspannend, anti-aggressiv und krampflösend.
Es gibt verschiedene Benzodiazepine, die sich demnach in der Wirkungsdauer, sowie im Wirkungsprofil unterscheiden. Mittel dieser Art, die vorzugsweise eine angst-lösende Wirkungskraft mitbringen, werden auch als Tranquilizer bezeichnet und oftmals bei Angststörungen verschrieben. Zudem besitzen diese Mittel eine schlaffördernde Wirkungskraft, so dass das Ein-, wie Durchschlafen gefördert wird, ohne dass der Schlaf erzwungen wird.
Was genau ist Clomethiazol?
Diese Wirksubstanz wird in der Regel nicht bei Schlafproblemen ambulanter Art eingesetzt, denn die Verwendung dieses Stoffs ist nur bei einer stationären Behandlung möglich. Vor allem bei einer Behandlung deliranter Zustände findet dieser Wirkstoff sein Einsatzgebiet. Teilweise werden mit Clomethiazol aber auch hartnäckige Schlafprobleme älterer Menschen in der psychiatrischen Klinik mit Erregungs-, Unruhe-, wie Verwirrtheitszuständen des Nachts therapiert. So besitzt dieses Präparat zwar eine stark schlafanstoßende Wirkung, allerdings führt die Anwendung auch schnell zu einer Abhängigkeit und beeinträchtigt außerdem die Atmung im Schlaf.
Wie wirken Antidepressiva und wann werden diese eingesetzt?
Auch Antidepressiva werden manchmal verschrieben, wenn es darum geht Schlafstörungen erfolgreich zu therapieren. So müssen Patienten nicht zwingend mit Depressionen zu kämpfen haben, denn diese Präparate besitzen unterschiedliche Wirkungsweisen. Gilt es Schlafprobleme mit Antidepressiva zu behandeln, werden meist Mittel verschrieben, die vorzugsweise eine beruhigend-dämpfende Wirkungskraft mitbringen.
Wann kommt Chloralhydrat bei Schlafstörungen zum Einsatz?
Chloralhydrat gehört zu den ältesten Schlafmitteln und wird heutzutage noch manchmal bei älteren Menschen angewendet, denn die Nebenwirkungen sind hier leider beachtlich. So besitzt dieses Präparat eine leicht sedierende Wirkungskraft, die innerhalb einer halben Stunde nach Einnahme einsetzt und anschließend bis zu sechs Stunden erhalten bleibt. Zudem macht dieses Mittel allzu schnell abhängig, besitzt eine hohe Giftigkeit und kann nach dem Absetzen zu Entzugserscheinungen führen. Demnach wird dieses Schlafmittel nur noch selten verschrieben.
Was genau sind Antihistaminika?
Antihistaminika werden normalerweise bei Allergien eingenommen. Einige dieser Mittel bringen außerdem eine schlaffördernde Wirkungsweise mit und sind meist ohne Rezept in den Apotheken erhältlich. Die Wirkung von Antihistaminika tritt zudem langsam ein, allerdings führt die Einnahme am Tage manchmal zu einer Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens und längere Anwendungszeiten können ebenfalls einen Gewöhnungseffekt bzw. Wirkungsverlust auslösen. Im Großen und Ganzen ist die Behandlung von Schlafproblemen mit diesen Präparaten kaum wissenschaftlich untersucht.
Welche pflanzlichen Mittel können bei Schlafstörungen helfen?
Kawain, Baldrian, Mellisse, Hopfen, sowie die Passionsblume zählen zu den pflanzlichen Schlafmitteln und bringen in der Regel so gut, wie keine nennenswerten Nebenwirkungen mit. So wirken diese natürlichen Präparate schlaffördernd, aber ebenso stimmungsaufhellend und verbessern außerdem die Schlafstruktur. Die oben genannten Wirksubstanzen eignen sich besonders gut zur unterstützenden Therapie leichter, nicht chronischer Schlafprobleme.
Welche sonstigen Wirkstoffe werden bei Schlafstörungen angewendet?
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Melatonin
Zwischen Melatonin und Serotonin besteht eine chemische Verwandtschaft. Zudem wird Melatonin im menschlichen Körper aus dem L-Tryptophan, welches natürlich vorkommt, gebildet. Wobei dieser Stoff ebenfalls in der Zirbeldrüse hergestellt wird. So handelt es sich hier um einen Botenstoff, der ein großes Mitspracherecht bei der Steuerung des Tag-Wach-Rhythmus besitzt. Dass diese Substanz eine schlaffördernde Wirkung besitzt, ist zudem bereits nachgewiesen worden. So entfaltet Melatonin vor allem bei einem gestörten Tag-Wach-Rhythmus seine Wirkung und kann ebenfalls bei Schlafproblemen infolge eines Jetlags helfen.
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L-Tryptophan
Aus L-Tryptophan wird im menschlichen Körper der Stoff Serotonin gebildet. Letzteres spielt sowohl bei der Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus, als auch bei Depressionen eine Rolle. Die schlafanstoßende Wirkung dieser Substanz ist allerdings eher als gering zu bezeichnen, denn diese setzt erst nach einer Wochen langer Anwendung ein. Zudem findet sich L-Tryptophan auch in vielen Nahrungsmitteln, wie Milch, weshalb Milch mit Honig gerne als Schlafhilfe zum Einsatz kommt.
Was sind Barbiturate und wie wirken diese bei Schlafstörungen?
Bevor Experten die sogenannten Benzodiazepine entdeckten, wurden die Barbiturate häufig bei Schlafstörungen verschrieben. Im Vergleich zu den heutigen Schlafmitteln erzwingen diese aber den Schlaf. So wirkt diese Substanz nicht nur hypnotisch, sondern ebenso narkotisch. Demnach sind Barbiturate gefährliche Giftstoffe, die eine hohe Gewöhnungs-, sowie Suchtgefahr mitbringen. Bei entsprechender Dosierung schläft hier ein jeder Anwender ein, ob er will oder nicht und lässt sich im Anschluss auch nur schwer wieder wecken.
🧠 Worauf sollte man bei der Auswahl eines Schlafmittels achten?
Die Wahl eines geeigneten Schlafmittels sollte stets ärztlich begleitet erfolgen. Entscheidend sind neben der Ursache der Schlafstörung auch individuelle Faktoren wie Alter, körperliche und psychische Vorerkrankungen sowie eventuelle Medikamentenunverträglichkeiten. Auch die Dauer der bisherigen Beschwerden und der Umgang mit Schlafproblemen spielen eine Rolle.
Ein kurzzeitiger Einsatz zur Überbrückung von Belastungsphasen erfordert andere Mittel als eine langfristige Therapie. Während bei akuten Beschwerden oft schnell wirksame Substanzen gewählt werden, bevorzugt man bei chronischen Störungen verträglichere, nicht abhängig machende Wirkstoffe. Wichtig ist zudem die Frage nach der gewünschten Wirkung: Einschlafhilfe, Durchschlafhilfe oder angstlösende Wirkung. Eine professionelle Schlafdiagnostik kann dabei helfen, die Therapie individuell anzupassen.
🧪 Wie unterscheiden sich die Schlafmittel in ihrer Wirkung?
Schlafmittel wirken auf unterschiedliche Weise auf das zentrale Nervensystem. Benzodiazepine fördern über die Verstärkung des Neurotransmitters GABA die Schlafbereitschaft und Muskelentspannung. Neuroleptika dämpfen vor allem das vegetative Nervensystem und senken psychische Spannungszustände. Antidepressiva wirken je nach Substanz auf Serotonin- oder Noradrenalin-Rezeptoren, was beruhigend und schlaffördernd wirken kann.
Antihistaminika blockieren Histamin-Rezeptoren im Gehirn und lösen so Müdigkeit aus. Melatonin hingegen greift in den biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus ein. Pflanzliche Mittel beruhigen über pflanzliche Wirkstoffe wie Valerensäure oder Flavonoide. Ein Vergleich der Wirkungsklassen ist wichtig, um Nebenwirkungen und Risiken besser einordnen zu können.
⚠️ Welche Risiken und Nebenwirkungen haben Schlafmittel?
Die Risiken von Schlafmitteln reichen von Tagesmüdigkeit über kognitive Einschränkungen bis hin zur Abhängigkeit. Besonders Benzodiazepine bergen ein hohes Risiko für Gewöhnung und Sucht – bereits nach zwei Wochen kann eine Abhängigkeit entstehen. Ältere Menschen reagieren zudem empfindlicher auf viele Präparate, was zu Stürzen und Orientierungsstörungen führen kann. Antihistaminika können die Reaktionsfähigkeit auch tagsüber stark beeinflussen.
Neuroleptika bringen zwar ein geringeres Abhängigkeitsrisiko mit, können aber bei langfristiger Einnahme zu Stoffwechselstörungen oder extrapyramidalen Symptomen führen. Chloralhydrat und Barbiturate gelten aufgrund ihrer hohen Toxizität heute als veraltet. Auch bei pflanzlichen Mitteln können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nicht ausgeschlossen werden. Eine ärztliche Risiko-Nutzen-Abwägung ist daher unerlässlich.
🌿 Wann sind pflanzliche Mittel eine gute Alternative?
Pflanzliche Schlafmittel bieten sich besonders bei leichten, nicht-chronischen Schlafstörungen an. Sie greifen sanft in das Nervensystem ein, wirken beruhigend, angstlösend oder schlaffördernd – ohne das Risiko einer Abhängigkeit. Baldrian, Hopfen, Passionsblume oder Melisse gehören zu den häufigsten Wirkstoffen. Sie lassen sich als Tee, Kapsel, Tropfen oder Dragée einnehmen.
Besonders in Kombination entfalten diese Pflanzenextrakte eine stärkere Wirkung. Studien zeigen positive Effekte auf Einschlafzeit und Schlafqualität, auch wenn diese meist geringer ausfallen als bei synthetischen Schlafmitteln. Dennoch können pflanzliche Mittel bei gelegentlichen Schlafproblemen oder als begleitende Maßnahme im Alltag eine sinnvolle Lösung darstellen. Wichtig: Auch natürliche Wirkstoffe sollten nicht dauerhaft eingenommen werden.
🧾 Welche Alternativen gibt es zur medikamentösen Behandlung?
Neben Medikamenten bieten sich bei Schlafproblemen auch nicht-medikamentöse Therapien an. Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (CBT-I) gilt als wirksamste Methode und zeigt langfristig bessere Erfolge als Schlafmittel. Sie umfasst u. a. Schlafhygiene, Entspannungsübungen, Stimuluskontrolle und Schlafrestriktion. Auch Techniken wie autogenes Training, Meditation, Akupressur oder progressive Muskelentspannung haben sich bewährt.
Ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus, Vermeidung von Koffein am Abend und der Verzicht auf Bildschirme vor dem Schlafen sind einfache, aber effektive Maßnahmen. Wer langfristig auf Medikamente verzichten möchte, sollte unbedingt solche Alternativen erwägen – am besten begleitet von einem Schlafmediziner oder Psychologen.
📊 Übersichtstabelle: Vergleich der Schlafmittel
| Substanzgruppe | Wirkung | Risiken | Einsatzgebiet |
|---|---|---|---|
| Benzodiazepine | Einschlaffördernd, angstlösend | Abhängigkeit, Tagesmüdigkeit | Kurzzeittherapie |
| Antidepressiva | Beruhigend, schlaffördernd | Gewichtszunahme, Mundtrockenheit | Chronische Schlafstörung |
| Neuroleptika | Sedierend, angstlösend | Bewegungsstörungen, Schwindel | Ältere Menschen, psychiatrisch |
| Antihistaminika | Sedierend | Konzentrationsstörungen | Leichte Schlafprobleme |
| Pflanzliche Mittel | Beruhigend | Selten Wechselwirkungen | Nicht-chronische Schlafprobleme |
| Melatonin | Rhythmusregulierend | Kopfschmerz, Übelkeit | Jetlag, Schichtarbeit |
| Barbiturate/Clomethiazol | Narkotisch | Atemdepression, Sucht | Veraltet, stationär |