Atemaussetzer im Schlaf – Behandlung und Ursachen

Atemaussetzer mitten in der Nacht

Nächtliche Atemaussetzer wirken beängstigend – besonders für Angehörige, die beobachten, wie das Schnarchen abrupt verstummt und minutenlange Atempausen folgen. Für Betroffene bleibt das meist unbemerkt, doch die gesundheitlichen Folgen sind gravierend. Müdigkeit, Bluthochdruck und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind typische Begleiterscheinungen. Der Auslöser ist oft eine Schlafapnoe – eine ernstzunehmende Atemstörung, bei der es im Schlaf regelmäßig zu Blockaden der Atemwege kommt. Dieser Artikel erklärt Ursachen, Symptome, Risiken und Therapiemöglichkeiten – fundiert und verständlich.

Atemaussetzer im Schlaf – Behandlung und Ursachen
Atemaussetzer im Schlaf – Behandlung und Ursachen

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlafapnoe ist lebensgefährlich: Unbehandelte Atemaussetzer erhöhen das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.
  • Symptome bleiben oft unbemerkt: Betroffene schlafen tief und merken selbst nichts – die Folgen spüren sie am Tag.
  • Vielfältige Ursachen: Übergewicht, Alter, Anatomie oder neurologische Faktoren können Atemblockaden begünstigen.
  • CPAP ist der Goldstandard: Überdruckmasken halten nachts die Atemwege offen – und senken nachweislich das Risiko für Folgeerkrankungen.
  • Früherkennung ist entscheidend: Ein Schlaflabor und ärztliche Diagnose helfen, gefährliche Atemaussetzer gezielt zu behandeln.

Wie gefährlich sind Atemaussetzer im Schlaf?

Atemaussetzer im Schlaf – medizinisch Schlafapnoe genannt – sind potenziell lebensgefährlich. Sie führen zu Sauerstoffmangel, unterbrechen den Schlaf und erhöhen langfristig das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes. Unbehandelt kann Schlafapnoe die Lebenserwartung deutlich verkürzen.

Der Schlafende, der eben noch regelmäßig, wie gleichmäßig unüberhörbar vor sich hin geschnauft hat, holt allerdings jetzt gar keine Luft mehr. Zehn Sekunden, dreißig Sekunden, eine oder gar drei Minuten vergehen und so mancher fragt sich jetzt, wie lange das menschliche Gehirn eigentlich ganz ohne Sauerstoff auskommen kann. Urplötzlich schnappt der Schlafende dann aber doch wieder nach Luft und schnarcht friedlich mit gleichmäßigen Atemzügen weiter.

Die Betroffenen, die des Nachts mit Atemaussetzern zu kämpfen haben, ist dies aber gar nicht bewusst, denn sie merken nichts davon, da sie tief und fest schlafen. Oftmals sind es lediglich die Bettnachbarn, die merken, dass nebenan irgendwas nicht stimmt. Am Morgen bekommen aber meist auch die Betroffenen die Folgen zu spüren, denn am Morgen fühlen sie sich unausgeschlafen und haben am Tage mit starker Müdigkeit zu kämpfen.

Was verursacht die Atemaussetzer im Schlaf?

Schuld daran, dass es während der Nacht bei einigen Menschen zu Atemaussetzern kommt, sind die Weichteile, welche sich im Gaumen befinden. Genauer gesagt, ist hier die Rede vom Gaumensegel und vom Zäpfchen oder auch von der Zunge. All diese Teile können den Luftweg blockieren. Während der nächtlichen Ruhe werden diese schlaffer und beim Liegen auf dem Rücken rutscht der hintere Teil der Zunge gegen den Rachen. Folglich beginnt der Schlafende laut zu schnarchen, denn die weichen Teile flattern während des Luftholens im Wind.

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Fällt der Zungenboden oder das Gaumengewebe noch tiefer in den Rachen, blockieren diese die Atemwege. In diesem Fall registriert das menschliche Hirn unbewusst im Schlaf diesen Stillstand und lässt demnach die Muskulatur von Gaumen, wie Zunge straffer werden. Der Schlafende beginnt jetzt gegen diesen Widerstand anzuatmen. Mit einem lautstarken Röcheln sprengt der Schnarcher dann die Atemwege buchstäblich wieder frei.

Am Tage atmen die Betroffenen hingegen ohne Probleme in regelmäßigen Abständen. Meist sind es die Bettnachbarn, die die Atemaussetzer in der Nacht bemerken. Drei bis vier Mal kommt es in der Regel zu einem lauten Schnarchen und im Anschluss herrscht völlige Stille. Dieser Rhythmus ist typisch für Schläfer mit Atemaussetzern. Einige Betroffene geben nach den beängstigenden Atempausen auch gurgelnde, wie röchelnde Geräusche von sich.

Ältere Menschen und Übergewichtige kämpfen oft mit Atemaussetzern während des Schlafs

Experten sprechen bei diesem nächtlichen Problem von einer sogenannten Schlafapnoe. Häufig sind Männer, die schnarchen oder über zu viel Körpergewicht verfügen von diesen Atempausen betroffen. In beiden Fällen blockieren die Atemwege zügiger, da die Weichteile im Gaumen schlaffer oder auch dicker sind, denn auch im Gaumenbereich kann sich Fettgewebe bilden. Ebenso verursachen krumm gewachsene Nasenscheidenwände, sowie sehr kleine Kiefer dieses nächtliche Problem.

Leiden Kinder an Atemaussetzern, können zu große Mandeln schuld daran sein. In diesem Fall ist es besser diese entfernen zu lassen, auch wenn der Nachwuchs meint in der Nacht gut zu schlafen. In ganz seltenen Fällen stoppt die Luftzufuhr im Schlaf trotz freier Atemwege. Experten sprechen hier von einer zentralen Schlafapnoe, denn das Zentrum der Atmung im Hirn arbeitet nicht mehr in regelmäßigen Abständen. So sendet der Hirnstammbereich während der Nachtruhe keine regelmäßigen Luftholbefehle mehr. Folglich kommt die Atmung ins Stocken, ohne dass der Schlafende schnarcht.

Circa vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen leiden im Durschnitt an einer Schlafapnoe. Beim weiblichen Geschlecht tritt dieses Problem meist nach den Wechseljahren auf. Außerdem spielt hier das Alter eine Rolle, denn ältere Menschen kämpfen häufiger mit Atemaussetzern, da das Gewebe mit den Jahren automatisch schlaffer wird.

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Für den Organismus sind Atemaussetzer Dauerstress

Betroffene die während der Nacht im Schlaf beständig nach Luft schnappen, setzen ihren Körper damit unter Dauerstress. Erholsam schlafen, sieht demnach ganz anders aus. Registriert das menschliche Hirn im Schlaf den Mangel an Sauerstoff, versetzt dieses sofort den Körper in Alarmbereitschaft und die Nebennierenrinde beginnt damit das Stresshormon Cortisol auszuschütten.

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Die Folge ist absehbar, denn jetzt wird der Schlaf immer leichter  und irgendwann durchlebt der Schlafende kaum noch erholsame Tiefschlafphasen, so dass sich der Betroffene am Morgen alles andere als ausgeruht fühlt.

Wie lassen sich solche Atemaussetzer des Nachts therapieren?

Bei einer leichten bis mittelschweren Schlafapnoe sind spezielle Bissschienen in der Lage zu verhindern, dass der Unterkiefer nach hinten weggleitet und schlaffes Gewebe die Atemwege blockiert. In schwereren Fällen hingegen kann die Überdruck-Methode helfen. Dafür benötigen Schlafapnoe-Patienten ein sogenanntes CPAP-Gerät, welches umgekehrt wie ein Staubsauger funktioniert.

Betroffene stülpen sich hier allabendlich vor dem Schlafengehen eine Maske über die Nase, so dass das Gerät über einen Schlauch beständig Raumluft in die Atemwege pusten kann. Des Weiteren ist es auch möglich, dass störende Gewebe operativ entfernen zu lassen, allerdings halten sich hier die Erfolge in Grenzen. Liegt eine zentrale Schlafapnoe vor, kann hier ebenfalls ein spezielles Beatmungsgerät Abhilfe schaffen. Dieses funktioniert ähnlich wie ein Beatmungsgerät, welches bei Operationen verwendet wird.

Diagnostische Verfahren: Wie Schlafapnoe sicher erkannt wird

Eine fundierte Diagnose ist entscheidend, um das Ausmaß der Schlafapnoe korrekt einzuschätzen und Folgeschäden zu vermeiden. Goldstandard ist die Polysomnographie im Schlaflabor, bei der Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Schlafphasen und Muskelaktivität gleichzeitig überwacht werden. Ergänzend kommen ambulante Polygraphie-Geräte zum Einsatz, die eine erste Einschätzung im häuslichen Umfeld ermöglichen. Wichtig ist die ärztliche Auswertung der Messdaten, da Schnarchen allein kein verlässlicher Indikator für eine Schlafapnoe ist. Erst der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) erlaubt eine objektive Einordnung der Schweregrade.

Unterschiedliche Schweregrade und ihre gesundheitliche Bedeutung

Schlafapnoe wird medizinisch in leichte, mittlere und schwere Formen eingeteilt, abhängig von der Anzahl der Atemaussetzer pro Stunde. Eine leichte Schlafapnoe liegt bei 5–15 Ereignissen pro Stunde vor, während schwere Formen über 30 Atemaussetzer erreichen können. Mit zunehmendem Schweregrad steigen auch die gesundheitlichen Risiken deutlich an. Besonders Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfälle treten bei schwerer Schlafapnoe signifikant häufiger auf. Die Einteilung ist daher nicht nur diagnostisch relevant, sondern auch ausschlaggebend für die Wahl der Therapie.

Langzeitfolgen unbehandelter Schlafapnoe

Bleibt eine Schlafapnoe unbehandelt, kann dies langfristig gravierende Auswirkungen auf nahezu alle Organsysteme haben. Chronischer Sauerstoffmangel schädigt Gefäße und fördert arterielle Hypertonie sowie Atherosklerose. Zusätzlich steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes durch hormonelle Fehlregulationen. Auch kognitive Einschränkungen wie Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und ein erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr sind dokumentierte Folgen. Die Lebenserwartung kann bei schwerer, unbehandelter Schlafapnoe deutlich reduziert sein.

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Rolle von Lebensstil und Prävention bei Schlafapnoe

Neben medizinischen Therapien spielt der Lebensstil eine zentrale Rolle bei der Behandlung und Prävention von Schlafapnoe. Gewichtsreduktion kann die Anzahl der Atemaussetzer deutlich senken, insbesondere bei übergewichtigen Betroffenen. Auch Alkoholverzicht am Abend und der Verzicht auf Beruhigungs- oder Schlafmittel verbessern die nächtliche Atmung. Die Seitenlage im Schlaf kann bei lageabhängiger Schlafapnoe eine einfache, unterstützende Maßnahme sein. Prävention bedeutet zudem, frühe Warnzeichen ernst zu nehmen und rechtzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Therapietreue und Alltag mit CPAP-Geräten

Der langfristige Erfolg einer CPAP-Therapie hängt maßgeblich von der konsequenten Anwendung ab. Anfangs empfinden viele Patienten die Maske als störend, doch moderne Geräte bieten individuelle Druckanpassungen und komfortable Maskensysteme. Regelmäßige Kontrollen und Geräteeinstellungen durch Fachpersonal erhöhen die Akzeptanz und Wirksamkeit der Therapie. Studien zeigen, dass sich Tagesmüdigkeit, Blutdruck und Lebensqualität bei guter Therapietreue deutlich verbessern. Eine umfassende Einweisung und kontinuierliche Betreuung sind daher essenziell.

Psychische Belastung und soziale Auswirkungen

Schlafapnoe betrifft nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch das psychische Wohlbefinden. Dauerhafte Müdigkeit kann zu Reizbarkeit, depressiven Verstimmungen und sozialem Rückzug führen. Auch Partnerschaften werden durch lautes Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer häufig belastet. Eine offene Kommunikation sowie die Einbindung von Angehörigen in den Therapieprozess können die Situation deutlich entspannen. Die erfolgreiche Behandlung der Schlafapnoe verbessert daher oft nicht nur die Gesundheit, sondern auch die soziale und emotionale Lebensqualität.

Fazit

Atemaussetzer im Schlaf sind keine harmlose Schlafstörung, sondern ein ernstzunehmendes medizinisches Problem mit weitreichenden Folgen für Gesundheit und Lebensqualität. Schlafapnoe bleibt häufig lange unentdeckt, da Betroffene selbst kaum Symptome wahrnehmen, während der Körper Nacht für Nacht unter Sauerstoffmangel und Stress leidet. Eine frühzeitige Diagnostik, die richtige Einordnung des Schweregrads und eine individuell angepasste Therapie können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken. Moderne Behandlungsmöglichkeiten wie CPAP-Therapie, Zahnschienen und begleitende Lebensstiländerungen ermöglichen heute eine wirksame und langfristige Kontrolle der Erkrankung. Wer nächtliche Atemaussetzer oder ausgeprägte Tagesmüdigkeit bemerkt, sollte daher nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Apotheken Umschau: „Schlafapnoe: Symptome, Ursachen und Therapien“,
    https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/atemwegserkrankungen/schlafapnoe-symptome-und-behandlung-736763.html
  2. NDR Ratgeber Gesundheit: „Schlafapnoe: Symptome, Ursachen und Behandlung“,
    https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Schlafapnoe-Symptome-Ursachen-und-Behandlung,schlafapnoe102.html
  3. AOK – Die Gesundheitskasse: „Schlafapnoe: Symptome und Behandlung“,
    https://www.aok.de/pk/magazin/wohlbefinden/schlaf/schlafapnoe-symptome-und-behandlung/
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